Live!

Da ich nun mal existiere, kann ich mich der Verantwortung gegenüber meiner Welt nicht entziehen. So sehe ich meine Arbeit als Zeitzeichen meiner Anwesenheit.

Liebe ist unser Element

Bevor wir denken, nehmen wir wahr. Gabe es das Wahrnehmen nicht, entfiele das Denken. Wir nehmen war über unsere Sinne, jedoch das Denken und hier besonders das nachdenken scheint eines unserer Hauptprobleme zu sein. Zu vieles ist zu bedenken. Wir haben uns im täglichen zu sehr mechanisieren und funktionieren lassen. "Man" gibt uns ganz schön zu denken. Unsere Sinne werden von Kunst, Musik und anderen musischen Kräften gestreichelt, lassen uns Wärme, Kälte und Ängste bis hin zum wohlfühlen erfahren, lassen uns das Lieben erleben und sie verführen uns auch zum Begehren.

Wenn ich in meiner Arbeit das Worte Liebe exponiert herausstelle, dann fühle ich mich so, als hebe ich einen Schatz aus der Versenkung. Versunken deshalb, weil in unserem gesellschaftlichen Umfeld die Manie – höher, weiter, schneller, mehr – alles verdrängt. Ich verstehe unter dem Zustand Liebe nicht das natürliche Begehren in einer wie auch immer gearteten Partnerschaft, sondern Liebe als Grundmotivation von allem Tun, als wichtiger Bestandteil aller neuen Gedanken. Kunst ist für mich immer der neue Gedanke. Wenn in allem Denken und Tun der „Partner“ Liebe als Berater zur Seite stehend fungiert, dann kann eigentlich nur etwas entstehen, was uns alle weiterbringt auf unserem Trampelpfad der kausalen Menschwerdung. Liebe ist für mich Berater in meiner Arbeit als Künstler, denn ich liebe mein Tun. Das streben nach Kunst ist für mich Lebenselixier. Jedoch ich weiß … die edelste Form der Künste wird sein, Mensch zu werden.

Meine Gedanken um Kunst

Ich bin nicht schnell genug, dem Phänomen Kunst zu folgen. Wenn ich denke, ich habe sie erwischt, ist sie mir schon wieder ein Stück voraus. Den kurzen Augenblick ihrer Präsenz genieße ich. Den Moment ihrer Flucht beachte ich in gleicher Energie. Ich bemerke oft, vielen bleibt das Wesen der Kunst für immer ein Fremdwort, und weckt nicht ihre Neugier, erachten sie gar als nutzlosen Zeitvertreib. 

Andere heben sie auf einen alles überstrahlenden Schild, ohne jemals Zugang zu ihr gehabt zu haben. Mich aber hat ihr Wesen fest im Gritt – lässt mich keine Ruhe finden auf der Suche nach ihr. Sie fordert mich ganz, inklusive meines Mutes sie zuzulassen, wo immer ich sie erahne, wo immer sie sich präsentiert. Obwohl ich um ihre Launen weiß kann sie mir nicht egal sein. Ich bin von ihr erfüllt. Sie ist mir Geliebte, mit der ich Nächte verbringen kann und die Zeit im Fluge uns vergeht. Wobei ich sie nie finde, sie findet mich, wenn ich bereit bin mein Herz weit zu öffnen und alles von mir abgefallen ist außer Hingabe und Demut. Sie fordert meinen ständigen Reinigungsprozess, lehrte mich zu akzeptieren, aber mit nichts einverstanden zu sein. Ab und zu verstehe ich aber nicht, warum sie sich manchmal auf krummen und schmutzigen Geleisen bewegt. Da erkenne ich, dass Moral ihr ein Fremdwort ist. Dich ich weiß, auf lange Sicht entzieht sie sich allem Spekulantentum. Was sie zulässt, was sie anlockt ist meine freier Geist. Meine täglichen Probleme kümmern sie einen feuchten Kehricht. Die ignoriert sie vollkommen, spielt im Gegenteil mit meinen Gefühlen, bringt alles durcheinander füllt mich aus mit ihrer unbequemen Begleiterin, der „Kreativität“. Dann fordert sie am Ende meine Festigkeit zu eigenem Denken und einer eigenen Aussage.

Wir sind alle ein kosmisches  Ereignis

Wir haben unsere Welt erschlossen, haben uns die Zeit gegeben, Dinge "entdeckt" benannt und codiert. Ohne uns ist unser Universum ein Nebel, ein Nichts. Nur unser Licht, unsere Energie erhellt unsere Welt. Die Geistlichkeit macht den Unterschied zu anderen Kreaturen. Nur wir vermögen dank unserer Energie etwas zu erschaffen und zu hinterlassen, was uns überdauert. Uns ist alles in die Hände gegeben uns einzurichten. Erde, Sonne, Wasser usw. begründeten Leben. Doch erst unser Geist, unsere Energie und die liebe Emotion schmücken uns als Menschen. Wir begriffen die Seele der Elemente und machten sie nutzbar. Energie ist die Wirkkraft, durch die Mögliches in Seiendes übergeht (Aristoteles).

Für mich ist Kunst Energie in ihrer belebensten Form und steht somit vor der Nützlichkeit. Wenn wir Energie von aller Materie befreien, dann eröffnen wir uns einen freien phantastischen Raum, der nur ahnen lässt, welches universelle Potential in uns zum klingen kommen kann. Energie ist Auslöser unseres Tatendrangs, lässt uns einmischen und uns zurückhalten. Gerät ihre Dynamik ins stocken oder kann aus irgendeinem Grunde nicht fließen, kommt es zu Störungen im physischen und psychischen Bereich. Mit meinen Arbeiten und meinem erweiterten Kunstbegriff wünsche ich mir eine Verbindung meiner Gedanken zum Betrachter. Die eigenen Energien entdecken, spüren, zulassen und entfalten lässt uns fliegen über Zeit und Raum und schafft ein Gegengewicht zum täglichen Existenzgerangel. An dieser Stelle möchte ich Einstein zitieren: "Der normale Mensch denkt nicht über Raum und Zeitprobleme nach, das erledigen Kinder."

Heinz Kasper 2010