Like a Rolling Stone

Was passiert, wenn ein Querkopf als Honorarprofessor einläuft

Sie liebten ihn. Besonders an den US-Universitäten. Heinz Kasper verkörperte für sie den Siegertyp. So einen verehrt man in Amerika. Seine kreative Lebensenergie und fröhlich anarchische Genialität, das kam an. Die europäischen Studenten standen mehr auf den Kulturbeitrag. Aber wenn der langhaarige Honorarprofessor aus Germany dann mit seinem Generalthema Plus-Minus kam, zeigte sich, dass seine kunstphilosophischen Grundvorstellungen auch in der jüngeren Generation vieles an tradierten Lebensgewohnheiten und Einstellungen in Frage stellten. Beiderseits des Atlantiks.

In Kaspers Seminaren wurde heiß diskutiert. Allein das Begriffspaar Kunst und Wirtschaft schaffte einen Spannungsbogen, dem sich Studenten wie Professoren nicht entziehen konnten. Ein Reizthema ist ferner seine These: Mit der (Selbst-)Verantwortung wächst auch das, was den Menschen ausmacht.

Das ist es, was Kasper mit seinen Ausstellungen am Hort der künftigen Eliten anstoßen wollte. Was für ihn unabdingbar mit geistiger Entwicklung zu tun hatte. Die Auseinandersetzung an den Universitäten mit den Ideen und Arbeiten Quer- oder Andersdenkender vermisste er. Mit seinen Auftritten und Werken hat Kasper einen Stein ins Rollen gebracht.

Was man ihm dankte. Im Mai 1997 beispielsweise fand an der California State University in San Bernadino, USA seine erste Ausstellung "A Trilogy" statt. Auf dem Campus, in den Medien und in der öffentlichkeit sorgte Kaspers Campus Art Project für ziemliches Aufsehen. Das Resultat war der spontane Auftrag, aus seiner Ausstellungsserie Plus-Minus eine 15 Meter hohe Skulptur zu schaffen, die heute vor dem Hauptgebäude der Universität steht.

Kasper bevorzugte Orte, die Drehscheiben sind, wo ein reges Kommen und Gehen herrscht. In Los Angeles, sagte er, da sind 35.000 Studenten. Da war jeden Tag Begegnung und Austausch mit meinen Arbeiten. Ähnlich ging es in New York zu. Zwei Awards hat man ihm für sein Campus Art Project schon verliehen. Eine Auszeichnug überreichte ihm der ägyptische Botschafter in den USA, die andere New Yorks Bürgermeister.

Er hätte das Jahr allein mit Lehraufträgen und Ausstellungen verbringen können. Kasper hatte aber noch andere Leben. Dennoch: Die Wirtschaftslenker von morgen lagen ihm am Herzen, vor allem die Entwicklung ihrer Sozialintelligenz und -kompetenz.

Abbildung rechts: Die Ausstellung "A Trilogy" bestand aus den drei Projekten "Der Fliegende Zeitkreis", "Jeder Meter für die Kunst" und "Plus-Minus". In einem dreitägigen Seminar diskutierten die Studenten, Professoren und externen Besucher intensiv mit dem Künstler. Abschließend wurde das Projekt in einem Kolloquium zusammengefasst.